Schlagwort-Archive: Unterwegs

Uebel unterwegs: Skurriles und Bemerkenswertes vom Landweg Hamburg-Shanghai von Tina Uebel

Delius Klasing
ISBN 978-3-667-10472-4
256 Seiten

Hach, was habe ich diese Lektüre genossen! Mit Tina Uebel den Balkan und Zentralasien zu durchqueren, um ans östliche Ende von China zu gelangen, ist nicht nur unterhaltsam und lehrreich, sondern weckt zudem jede Menge Erinnerungen an eigene Reisen (mir ging das so ;-)).
Sich als alleinreisende Frau in Ländern fortzubewegen in denen meist die Männer das Sagen haben, hat den Vorteil, dass man wirklich mit Menschen jeden Alters und Geschlechts in Kontakt kommt, gerade auch mit Frauen. Und Tina Uebel nutzt dies hemmungslos aus und genießt es – sehr zur Freude aller Lesenden 😉 Auch beim 127. Mal ‚Where are you from?‘ antwortet sie noch lächelnd und stürzt sich bereitwillig in jede Unterhaltung, auch wenn sie nur mit Händen und Füßen geführt werden kann. Obwohl ihre Aufenthalte meist nur recht kurze Zwischenstopps sind um von einem Zug in den nächsten zu wechseln, vermittelt sie mit ihrem lebendigen Schreibstil und ihrer offenen, zugewandten Art ein überzeugendes Bild von den Menschen und der Kultur des jeweiligen Landes. Wobei es ihr dabei weniger um die Vermittlung exakter historischer und aktueller Daten geht, sondern mehr um die Art und Weise wie die Menschen leben. Dabei zeigt sie sich überaus aufmerksam für die Besonderheiten in den jeweiligen Ländern (beispielsweise die hohen Hinterköpfe der Frauem im Iran oder das Fehlen der Menschen auf den Straßen Turkmenistans ;-)), die sie in ihrer besonderen Art der Übertreibung sehr anschaulich beschreibt.
Tina Uebels Erzählstil war mir durchweg ein Vergnügen. Auch deshalb, weil sie nicht vergisst darauf hinzuweisen, wieviel Glück sie (und natürlich auch wir) hat, in einem Land geboren worden zu sein, mit dessen Pass ihr all diese Erlebnisse so ohne weiteres möglich sind. Dieses Glück ist den Meisten, denen sie unterwegs begegnet ist, nicht gegeben. Sie träumen stattdessen von einer Freiheit, die bei uns häufig nicht mehr wahrgenommen wird, weil sie als selbstverständlich angesehen wird. Dieses Buch erinnert auch daran, wie glücklich wir uns dafür schätzen können – in Freiheit zu leben und zu reisen.

 

 

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Die Bibliothek im Stein in der Lünebürger Heide

keepaliveEinen ungewöhnlichen Ort der Bücheraufbewahrung hat sich der Künstler Aram Bartholl ausgesucht: einen gewöhnlichen Findling in der Nähe der Ortschaft Hartböhn. Dieser beinhaltet eine Bibliothek von Survival-Guides sowie einen thermoelektrischen Generator und WLAN-Router, der durch das Entfachen eines kleinen Lagerfeuers in der Nähe des Findlings aktiviert wird.

Wer Genaueres über dieses Projekt wissen möchte, wird auf der Seite der Leuphana Universität fündig oder im Blog des Künstlers. Und ich kann jetzt beruhigt in der Lüneburger Heide wandern gehen – eines der Survival-Ebooks wird mir sicherlich immer einen guten Rat geben können. Sofern ich Streichhölzer oder ein Feuerzeug dabei habe – und die Akkus nicht leer sind 😉

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Die toten Gassen von Barcelona von Stefanie Kremser

Kiepenheuer & Witsch, 01.08.2011 ISBN 9783462043259 256 Seiten

Kiepenheuer & Witsch, 01.08.2011
ISBN 9783462043259
256 Seiten

Anna, 36 Jahre, ohne Familie und völlig ungebunden, reist nach Barcelona, die Heimatstadt ihrer Mutter, um dort einen Reiseführer zu schreiben. Ein guter Freund, Rafael, bringt sie zu ihrer Unterkunft, wo sie fast unmittelbar vor der Tür auf einen Toten stoßen. Wie sie später von Rafaels Freund Quim erfahren, der Leiter der Mordkommission ist, war es Mord – der siebte innerhalb von sieben Wochen. Doch es sind keinerlei Verbindungen zwischen den Verbrechen erkennbar, sodass die Polizei völlig im Dunkeln tappt. Da überfällt Anna in der Kathedrale des Heiligen Kreuzes und der Heiligen Eulàlia eine Erkenntnis…
Da Anna keine wirkliche Ermittlerin in diesem Krimi ist, sondern eher per Zufall von der Mordserie erfährt, erlebt man als LeserIn wie auch Anna selbst die Geschichte aus einem gewissen Abstand. Zwar bleibt das Ganze so recht unblutig und gewaltfrei, doch durch die Einschübe vor jedem neuen Kapitel, die die Gedankenwelt des Täters vermitteln (ohne jedoch zuviel zu verraten), währt die Spannung über den unheimlichen Mörder bis zum Ende.
Dass die Autorin Barcelona sehr gut kennt und diese Stadt liebt, ist sicherlich nicht übertrieben zu behaupten. Anna als Protagonistin streift mit offenen Sinnen durch die Stadt und schildert begeistert die Schönheit der verschiedenen Seiten dieser Metropole. Doch sie verschließt auch nicht die Augen vor den Schattenseiten: die zunehmende Gentrifizierung, Vertreibung alteingesessener Mieter durch kriminelle Methoden, die anwachsende Zahl der Einwanderer, die viele heimischen Händler verdrängen undundund. Auf diese Weise entsteht ein recht umfassendes Bild Barcelonas, sodass dieser Krimi durchaus den Wunsch wecken kann, mal einen Abstecher in die Hauptstadt Kataloniens zu machen.

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Wanderführer Madeira von Bruckner-Wischin

Esterbauer, 03.08.2011 ISBN 9783850005630 212 Seiten

Esterbauer, 03.08.2011
ISBN 9783850005630
212 Seiten

Leider konnten wir nicht alle 50 vorgeschlagenen Wandertouren dieses Büchleins ablaufen, aber die sieben oder acht abgeschlossenen Ausflüge haben uns bereits einen umfassenden Eindruck geliefert.
Die Beschreibungen der Touren sind weitestgehend eindeutig, wobei gelegentlich benannte Wegmarkierungen fehlten, die wohl in der Zwischenzeit dem Zahn der Zeit zum Opfer fielen. Das jeweils beigefügte Höhenprofil ist nicht nur sehr aussagekräftig sondern ebenso hilfreich: Man kann detailliert sehen, was noch vor einem vorliegt. Auch für Familien mit Kindern sind Hinweise beigefügt: Ob mit oder ohne Kinderwagen geeignet, kinderfreundliche bzw. kindgerechte Wege usw.
Die Zeitangaben sind recht großzügig bemessen für einem strammen Wanderschritt, der einem jedoch eher selten gelingt, da man ständig stehen bleibt um die Aussicht zu genießen oder Photos zu machen. Und dann passt die angegebene Dauer exakt.
Auch die Aufmachung des Wanderführers ist ideal für unterwegs: Die Seiten sind beschichtet, sodass feuchtes Wetter ihnen nichts anhaben kann und durch die Spiralbindung besteht nicht die Gefahr, dass sich einzelne Seiten auf Dauer lösen können. Dazu kommt, dass die Größe so konzipiert ist, dass man das Büchlein ohne Schwierigkeiten in jede Jackentasche stecken kann.
Alles in allem ein wirklich gut durchdachter Wanderführer, aus dessen Reihe ich mir jetzt auch mal andere Ausgaben ansehen werde.

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Mein Leben als Pavian von Robert M. Sapolsky

Random House Audio, 16.07.2007 ISBN 9783866045941 383 Minuten

Random House Audio, 16.07.2007
ISBN 9783866045941
383 Minuten

Robert M. Sapolsky, Professor für Biologie und Neurologie an der berühmten Stanford-Universität in Kalifornien, erzählt u.a. von seinem Leben mit und zwischen den Pavianen. Bereits als Kind begeistert von Affen, wünschte er sich sehnlichst ein Berggorilla zu sein, doch letzten Endes reichte es ’nur‘ zu einem Platz als rangniederes Mitglied einer Pavianhorde. Er schildert, wie er als 20jähriger zum ersten Mal nach Afrika kam, ’seine‘ Horde kennenlernte und sich nach und nach mit den Sitten, den Menschen und Tieren Kenias vertraut machte. Zweifellos sind die Geschichten mit und über die Paviane das Hauptthema des Buches, doch es bleibt genügend Raum um einen guten Einblick in das Drumherum zu erhalten. So schildert er das Dilemma der Wildhüter, die einerseits die Tiere schützen sollen, andererseits aber auch etwas zu essen brauchen um ihre Familien zu ernähren – denn das Gehalt behält der Chef. Seinen Versuch, eine Zebrakeule essbar zuzubereiten. Die alltägliche Korruption aber ebenso die allgegenwärtige Gastfreundschaft. Seine Reise in ein Krisengebiet. Undundund… Er beschreibt, informiert, kritisiert, philosophiert – dieses Buch unterhält nicht nur hervorragend, sondern man lernt so ganz nebenbei auch Einiges (nicht nur) über Afrika.
Sapolsky erzählt auf eine ungemein amüsante, unterhaltsame Art und Weise, die auch Selbstironie nicht scheut. Er kam in dieses Land um wissenschaftlich zu arbeiten, doch in erster Linie ist er Mensch geblieben. Man spürt das ganze Buch hindurch die große Sympathie und Zuneigung, die er für diese Region mit seinen Menschen und Tieren empfindet. Aber auch wie es ihn innerlich fast zerreisst angesichts all der Widersprüchlichkeiten, mit denen er während seines Aufenthaltes zurechtkommen muss.
Christoph Waltz liest dieses Buch in einem Tonfall, der auf den ersten ‚Blick‘ immer gleich klingen mag, aber beim genaueren Hinhören wunderbar zwischen Resignation, Freude, Ironie usw. wechselt. Alles in allem ein wirkliches Hörerlebnis!

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Die Köchin, die Pornodiva und der Papst von Klaus Brill

BMG Wort 1999 ISBN 9783898300155 294 Minuten

BMG Wort 1999
ISBN 9783898300155
294 Minuten

Sie glauben Sie kennen Rom? Wenn Sie sich die römischen Begegnungen von Klaus Brill anhören, werden Sie feststellen, dass es noch vieles gibt, was Ihnen bislang unbekannt war. Auch wenn diese Ausgabe schon mehr als 10 Jahre alt ist.
Brill schildert Roms Licht- und Schattenseiten (beispielsweise die vielen verwilderten Katzen, die die Stadtverwaltung als Rattenfänger einsetzt, um sich so das Geld für die vergifteten Köder zu sparen), wirft einen Blick hinter die allseits bekannten Touristenkulissen (Was geschieht mit all den Münzen im Fontana di Trevi?) und beschreibt Roms Menschen so lebensnah und einfühlsam (die Besitzer seiner Lieblingstrattoria, die Mamasöhnchen die bis im hohen Alter bei Mamma bleiben, die Pornodiva mit dem Rosenkranz undundund), dass man am liebsten sofort aufbrechen und sich selbst unter all diese menschenfreundlichen, chaotischen, anarchistischen und liebenswerten Römerinnen und Römer mischen möchte.
Mittlerweile (2009) ist eine neue Auflage des Buches erschienen und ich bin überzeugt davon, dass diese genauso lesens- bzw. hörenswert ist wie die nun schon etwas ältere Ausgabe. Bleibt am Schluss nur nur noch eines zu schreiben: Auf nach Rom!

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Redmonds Dschungelbuch von Redmond O’Hanlon

DTV 1999 ISBN 9783423120050 390 Seiten

DTV 1999
ISBN 9783423120050
390 Seiten

Um ehrlich zu sein: Ich hatte mir dieses Buch anders vorgestellt. Beeinflusst durch die ersten Seiten und den Umschlagtext erwartete ich ein durchweg zum Brüllen komisches Buch mit ein bisschen Dschungel drumrum. Stattdessen endloser Dschungel und noch mehr Vögel mit witzigen Stellen zwischendrin. Was die Qualität dieses Buches aber nicht mindert.
Redmond, ein britischer Oxford-Gelehrter startet eine Expedition in Venezuela, um die bisher noch nicht entdeckte Flussverbindung zwischen Rio Negro und dem Orinoko zu finden. Es begleitet ihn sein Freund Simon und mehrere Einheimische, die ihm ein venezolanischer Abenteurer vermittelt hat. Nachdem das Unternehmen nach vielen Strapazen scheitert, entschließt Redmond sich auf die Suche nach den Yanomami zu machen, die größte unberührte Indianergruppe im Regenwald, die durch ihre enorme Aggessivität berühmt-berüchtigt ist.
Für einen britischen Gelehrten, dazu noch aus Oxford, ist das Buch vermutlich recht ungewöhnlich. Keine Spur von Vornehmheit, Snobismus oder ähnlichen Eigenarten, die gemäß diverser Vorurteile die Menschen der britischen Inseln auszeichnen. Statt dessen rülpst, scheisst und rotzt Redmond mit den Einheimischen um die Wette, sehr zum Entsetzen seines Freundes Simon, der sich als der wahre Snob entpuppt. Entnervt und frustriert von den Qualen der Fahrt (Myriaden von bissigen kleinen schwarzen Fliegen, Delikatessen wie Piranhas, Tapirspeck, Affenschenkel usw., ständig kreischenden und krakeelenden Vögeln und Fröschen u.v.m.) bricht dieser die Reise nach dem ersten Teil ab.
Redmond selbst ist mit Leib und Seele dabei, für ihn erfüllt sich mit dieser Expedition ein Kindheitstraum. Er beschreibt mit unverhohlener Begeisterung alles, was ihm über den Weg kreucht und fleucht und wer etwas Interesse für Flora und Fauna aufbringt, wird dieses Buch mit Freude lesen. Die dazwischen immer wieder eingebundenen Auszüge historischer Reiseberichte geben zusätzliche Informationen.
All dies, zusammen mit den amüsanten Schilderungen Redmonds, ergeben ein rundum gelungenes Buch aus dem man zudem noch eine Menge lernen kann. Vier Punkte gibt es deshalb ’nur‘, weil es für mich persönlich etwas zu viel Flora und Fauna war.

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