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Die Welt im Rücken von Thomas Melle

Rowohlt Berlin
ISBN 978-3-871-34170-0
352 Seiten

Wie kann mich ein so ungeheuerlich beklemmend machendes Buch derart begeistern? Obwohl das Thema so entsetzlich ist, dass ich immer wieder innehalten musste, konnte ich es trotzdem kaum aus den Händen legen. Thomas Melle berichtet von seiner manisch-depressiven Erkrankung derart eindringlich, dass ich fast meinen konnte, eine Ahnung davon zu spüren, was er erlebte und noch immer erlebt.
Schonungslos erzählt er von seinem Leben während der drei Schübe, ohne Rücksicht zu nehmen auf die Darstellung seiner Person. Wie die Krankheit sein bisheriges Leben praktisch zertrümmert, bis von seinem ursprünglichen Selbst nur noch Bruchstücke vorhanden sind; wie er sich daraus wieder hervorkämpft und wieder zu Boden geht, um danach erneut vor den Trümmern dessen steht, was ihm wichtig war; wie er ganz unten landet und ihm dies erst ins Bewusstsein dringt, als es fast endgültig zu spät ist. Unglaublich, dass daraus ein Buch wie dieses entstanden ist in einer Sprache, die gleichermaßen die Kraft wie auch die Schwäche dieses Leidens so überaus intensiv darstellt.
War Bipolarität bisher eine Krankheit, über die ich gelegentlich in der Zeitung etwas gelesen habe und dann entsetzt den Kopf schüttelte („schon schlimm“), ist sie durch diese Lektüre etwas sehr Konkretes geworden. Allen die mehr über diese Erkrankung wissen wollen als ’nur‘ sachliche Informationen, empfehle ich dieses Buch wärmstens.
Ich wünsche Herrn Melle von ganzem Herzen, dass er nie wieder solche Phasen durchleben muss. Und stattdessen den Roman schreibt, ‚der das ganze Spektrum abdeckt‘. Ich freue mich schon darauf!

 

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Der Sommer der Schmetterlinge von Adriana Lisboa

Aufbau Taschenbuch
ISBN 978-3-7466-3115-8
284 Seiten

Es ist die Geschichte zweier Schwestern aus Brasilien, die völlig unterschiedliche Lebenswege einschlagen, sich aber trotzdem immer noch verbunden fühlen. Nach zehn Jahren steht ein Wiedersehen in ihrem Elternhaus bevor und in einem für europäische Verhältnisse ungewöhnlichen, aber dennoch wundervollen, poetischen Stil erzählt die Autorin über die Kindheit und das Erwachsenwerden dieser beiden Frauen.
Klar ist, es gibt Etwas über das in dieser Familie niemand spricht, es herrscht eine Grabesstille im Zuhause der beiden Mädchen. Nur wenige wissen davon und die Geschichte selbst nähert sich diesem Etwas nur allmählich mit vagen Andeutungen, wohingegen seine Auswirkungen überdeutlich beschrieben werden. Alle leiden darunter: die Einen direkt, die Anderen indirekt. Es muss etwas Abscheuliches gewesen sein, doch dieses entsetzlich Unbeschreibliche wird auf eine solch stimmungsvolle und poetische Weise erzählt, dass der Kontrast zwischen Sprache und Erlebtem wohl kaum größer sein könnte.
Doch der Roman lebt nicht nur von der wunderbaren Sprache der Autorin. Während es zu Beginn nur selten Hinweise auf das Unaussprechliche gibt, steigen diese mit zunehmender Seitenzahl. Und so rätselte ich mit, was denn geschehen sein könnte und wurde immer ungeduldiger, je näher das Treffen der beiden Schwestern rückte. Obwohl ich wie vermutlich viele Andere auch es schon früher ahnte (zumindest ungefähr), was passiert sein könnte, ist die ‚Auflösung‘ dennoch schockierend – ich konnte das Unglaubliche kaum glauben.
Es ist eine Geschichte, wie sie sich auch in unserer Gegend hätte ereignen können, voller Schweigen und Verschlossenheit. Doch durch die bilderreiche Sprache Adriana Lisboas wird schon nach wenigen Seiten klar: Man befindet sich mitten in Südamerika.
Weshalb dann nicht die volle Punktzahl? Das Buch ist trotz des traurigen Themas sehr sehr poetisch – für meinen Geschmack etwas zu sehr. Um nicht falsch verstanden zu werden: Nein, das hier ist KEIN Kitsch und drückt nicht auf die Tränendrüse. Doch als durchschnittliche Mitteleuropäerin vertrage ich offenbar nur eine bestimmte Menge an Poesie – und die ist mit diesem Buch auf jeden Fall erreicht 😉

 

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Im Himmel gibt es CocaCola von Christina Nichol

Mare Verlag
ISBN 978-3-8664-8234-0
448 Seiten

Dieses Buch ist nicht ganz einfach zu beschreiben, denn so richtig viel Handlung gibt es nicht. Der Ich-Erzähler Slims, der in der georgischen Hafenstadt Batumi lebt und als Anwalt im Seerechtsministerium arbeitet (und seit Monaten kein Gehalt mehr erhalten hat), träumt davon, seinem geliebten Heimatland zum Aufschwung zu verhelfen: keine Korruption mehr, ständig verfügbare Elektrizität, regelmäßige Gehaltszahlungen usw. Er schreibt Briefe an Hillary Clinton und erhält daraufhin eines Tages tatsächlich eine Einladung in die USA, um sich in puncto Wirtschaft weiterbilden zu können. Doch alles läuft anders als geträumt…
Der überwiegende Teil des Buches beschreibt mehr die Gesellschaft Georgiens und seiner Bewohner als dass er einer wirklichen Handlung folgt: Es ist wirr, chaotisch, liebenswert 😉 Die genannte Handlung hangelt sich eher an einem dünnen sogenannten roten Faden entlang, der als Anlass genommen wird, weitere Beschreibungen einfließen zu lassen. Obwohl die Autorin Amerikanerin ist, gelingt es ihr meiner Meinung (ich kenne das Land nicht – leider, muss ich nach der Lektüre schreiben) sehr überzeugend, die Atmosphäre Georgiens wie auch das Besondere seiner Bewohner darzustellen. Sie lieben ihr Land – aber die Menschen noch viel mehr. Alle versuchen sich auf irgendeine Art und Weise durchzumogeln, meist mit nicht ganz legalen Mitteln, doch immer wird auch an die Anderen gedacht. Es ist ein stetes WIR, das in Georgien existiert – das ICH des Westens kennt man nicht. Für Gäste wird einfach Alles aufgefahren, sodass diese denken müssen, die Georgier leben im Überfluss.
Der Tonfall ist durchweg vergnüglich, wobei dieses Wort vermutlich falsche Erwartungen erweckt. Es ist ein unglaublich trockener Humor, mit dem beispielsweise auf Missstände hingewiesen wird und die Pointe dann schon fast wie ein Lamento klingt, ohne dass dieses wirklich ernst gemeint ist. Oder er kommt sehr unterschwellig oder auch völlig absurd daher – diejenigen, die das Offensichtliche lieben, werden mit diesem Buch nicht ganz so viel zu lachen haben.
Ich habe mich hingegen gut amüsiert, auch wenn Vieles in der Realität bestimmt nicht zum Lachen ist. In jedem Fall hat es mich sehr sehr neugierig auf Georgien bzw. auf seine Menschen gemacht. Denn wie ich in einem Reiseführer nachlesen konnte, wurden deren Beschreibungen nicht übertrieben. Unglaublich – aber ich denke, davon muss ich mich selbst überzeugen. Georgien, ich komme!

 

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Auch das wird vergehen von Milena Busquets

Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-42527-5
170 Seiten

Blancas Mutter ist verstorben, die wohl der wichtigste Mensch in ihrem Leben war und Blanca zu dem Menschen ‚machte‘, der sie heute ist. Nicht immer entwickeln sich aus solchen Erkenntnissen positive Gefühle, doch in diesem Fall entstand eine große Liebe. Blanca liebt ihre Mutter über alles und in den Tagen nach deren Tod ist sie ihr fast immer gegenwärtig, bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten. Die Ich-Erzählung aus Blancas Perspektive habe ich wie einen Brief an die Mutter empfunden: Sie erzählt ihr von den Tagen nach der Beerdigung, wie sie sich versucht abzulenken und dennoch stets auf’s Neue ihre Mutter in den Vordergrund rückt. Menschen, Orte, Gesten, Gefühle – immer wieder werden dadurch Erinnerungen hervorgerufen, denen Blanca sich hingibt. Voller Wehmut und Schmerz, aber auch mit Zärtlichkeit, Freude und voller Liebe. Dies mag nun Manchen allzu sehr nach Rosarot klingen, doch es gibt auch Rückblicke, die deutlich machen, dass die Mutter-Tochter-Beziehung nicht nur harmonisch war. Doch die Liebe überwiegt…
In diesem Buch gibt es so viele wunderbare und schöne Sätze, dass ich vermutlich ganze Wände damit tapezieren könnte 😉 Beispiele gefällig? Also: „Du hast mich so rigoros und nachhaltig gegen jede nicht spielerische Form von Unterwerfung erzogen, dass ich noch nicht einmal Feministin werden musste.“ oder „In deinen Augen rechtfertigte die Liebe eigentümliche Verhaltensweisen, die du unter allen anderen Umständen verurteilt hättest. Wenn ein Kellner … dir die Suppe über’s Kleid schüttete und du, eben dabei, dich zu beschweren, vom Maître erfuhrst, er sei verliebt …, sahst du ihn wohlwollend an und sagtest: „Ach so, na dann…“ Und aßest seelenruhig weiter in deinem suppendurchtränkten Rock.“ oder „“Leichtigkeit ist eine Form von Eleganz“, sage ich, „leicht und fröhlich zu leben ist sauschwer.“ „Du verwechselst Leichtigkeit mit Schlendrian, Blanquita.““ Vielleicht ist es das, was das Leben von Blanca und ihrer Familie ausmacht: Die Leichtigkeit und die Liebe, was sich auch in den noch immer sehr guten Beziehungen zu ihren Ex-Ehemännern zeigt, den Vätern ihrer beiden Söhne.
Doch es ist nicht nur die Liebe zum andern Geschlecht, sondern ganz allgemein die Liebe zum Leben, die Liebe an sich. Deutlich wird das besonders auf den letzten Seiten, wo Blanca ihrer Mutter eine wundervolle Dankesrede und Liebeserklärung schreibt, die alleine schon das ganze Buch lohnt. „Von dir habe ich die Liebe auf den ersten Blick als einzig mögliche Form, sich zu verlieben (du hattest recht), die Liebe zur Kunst, zu den Büchern, den Museen, zum Ballett, die Freigiebigkeit in Gelddingen, die großen Gesten in den passenden Momenten, die Rigorosität im Handeln und im Reden. Das völlige Fehlen von Schuldgefühlen und die Freiheit und die Verantwortlichkeit, die damit verbunden sind…. Du hast mir auch das irre Lachen geschenkt, die Freude am Leben, die völlige Hingabe, den Spaß an jedem Spiel, die Abneigung gegen alles, was in deinen Augen das Leben kleiner machte und einem die Luft nahm: Knauserigkeit, Mangel an Loyalität, Neid, Angst, Dummheit und Grausamkeit. Und den Sinn für Gerechtigkeit. Die Aufsässigkeit. Das überwältigende Erkennen von Glück in den Momenten, wenn man es in Händen hält und ehe es wieder davon fliegt…. Und die Grandezza, eine Fähigkeit, die Dinge zu benennen, sie zu sehen, eine aufrichtige Toleranz den Schwächen und Unzulänglichkeiten anderer Menschen gegenüber…“.
Auch wenn das Hauptthema dieses Buches der Tod eines Menschen sein mag, ist es für mich viel mehr eine wunderbare Hommage an das Leben und die Liebe.

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Fallende Engel von Barbara Gowdy

Verlag Antje Kunstmann
ISBN 3- 88897-064-4
214 Seiten

Kanada, Anfang der 60er Jahre: Die drei Schwestern Lou, Norma und Sandy wirken gemeinsam mit ihren Eltern wie eine normale Familie. Doch normal geht anders. Irgendein Geschehnis in der Vergangenheit führte dazu, dass die Mutter jetzt fast ausschließlich Whisky trinkt und ihre Tage schweigend im Bett oder auf der Couch vor dem Fernseher verbringt. Auch der Vater trinkt und je nach Stimmung schlägt er zu – lediglich seine Frau und Sandy verschont er, vermutlich weil letztere ein Ebenbild ihrer Mutter ist. In den Sommerferien sperrt er sich und die Familie im selbstgebauten Atombunker ein, den sie (selbst als sie kein Wasser mehr haben) nicht verlassen dürfen. Er ist ungerecht, gewalttätig und ein Despot, weshalb Lou ihn hasst, aber Norma ihn dennoch liebt. Die drei Mädchen sind so verschieden wie Schwestern nur sein können und jede reagiert auf ihre Art auf diese Form der Nicht-Erziehung. Lou ist rebellisch und kalt, Norma isst und isst und ist voller Liebe und Verständnis für alle, immer mit der Hoffnung etwas Liebe zu erhalten. Und Sandy, die Schöne, reagiert auf das stete Interesse an ihr mit sofortiger Zuwendung bzw. kann nicht ‚Nein‘ sagen, was sie von Junge zu Junge und Mann zu Mann wandern lässt.
Beginnend mit dem Ende, erzählt das Buch über einen Zeitraum von 10 Jahren aus dieser Familie, immer einzelne Episoden aus einem Jahr, sodass man die Entwicklung der drei Schwestern nachverfolgen kann. Obwohl sie altersmäßig nah beieinander liegen und somit alle die gleiche Ausgangsposition hatten, driften ihre Lebenswege immer weiter auseinander. Jede flüchtet angesichts der Familienproblematik in ihre ganz eigene Welt und geht diesen einmal eingeschlagenen Weg weiter – dennoch halten sie zusammen.
Ich litt mit den Dreien und konnte ihr Verhalten gut nachvollziehen, wobei ich mich immer wieder fragte: Wieviele solcher Familien gibt es? An wievielen Häusern und Wohnungen bin ich schon vorbeigegangen, in denen das heile Familienbild nur Fassade ist? Der Autorin ist es sehr gut gelungen, nicht nur die Entwicklung der Schwestern zu beschreiben, sondern auch das Entsetzliche im ganz normalen Alltag darzustellen: Keine Monster, sondern ‚lediglich‘ Menschen wie sie uns jeden Tag begegnen können.

 

 

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Das Zimmermädchen von Annegret Held

Mare Verlag
ISBN 978-3-936384-06-2
250 Seiten

Carla, 19 Jahre jung, ist das erste Mal in ihrem Leben weg von Zuhause, weit oben im Norden auf der Insel Langeoog, wo sie einen Sommer lang als Zimmermädchen arbeitet. Von diesem Sommer erzählt das Buch bzw. Carla – nicht mehr und auch nicht weniger. Nicht dass irgendetwas Aufregendes oder Spannendes geschieht: Alles Geschehene lässt sich wohl in maximal zwei, drei Sätzen zusammenfassen. Und darüber dann ein ganzes Buch lesen? Lohnt sich das überhaupt?
Oh ja, es lohnt sich wohl. Denn Annegret Held, die Autorin, lässt Carla so überzeugend von ihrem Aufenthalt erzählen, dass man mit ihr lebt und fühlt, als wäre man selbst wieder 19 Jahre jung (zumindest mir ist es zeitweise so ergangen ;-)). Einerseits frech und übermütig, dann wieder verunsichert und ängstlich, ganz wie ein kleines Mädchen. Wie sie voller Unbefangenheit die ankommenden Ärzte des Kongresses auf der Insel taxiert und für belanglos und uninteressant einordnet bis auf den einen, der ihr mit seinen 35 Jahren aber uralt vorkommt 😉 Wie sie mit ihren Kolleginnen einen über den Durst trinkt und sich ihre vornehm-steife, zarte Chefin, das Fräulein Sörensen darüber aufregt ohne jedoch ein Wort zu sagen. Wie sie sich voller Hingabe ihrer Aufgabe widmet, denn diese ist ‚doch ihre Eintrittskarte ins Leben‘, die sich nun verdienen will. Das ist so großartig, dass ich einfach immer weiter lesen wollte. Helds bzw. Claras Schilderungen sind wundervoll klar und deutlich in einer famosen bildhaften Sprache, nehmen kein Blatt vor den Mund und verletzen doch nie das was sie beschreiben.
Wer sich beim Lesen eine stets fortschreitende Handlung erwünscht, eine Entwicklung, vielleicht mit Spannung oder Action, wird an diesem Buch keine große Freude haben. Der Rest aber (so wie ich) dürfte mit Clara einen wirklich schönen und unterhaltsamen Sommer auf Langeoog verleben 😉

 

 

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Der Trafikant von Robert Seethaler

Kein & Aber Verlag
ISBN 978-3-036-95909-2
249 Seiten

Im Spätsommer 1937 kommt der 17jährige Franz aus dem ländlichen Salzkammergut nach Wien, um in einer Trafik bei einem Freund der Mutter in die Lehre zu gehen. Dort muss er Zeitungen lesen (möglichst alle und alles), sich Wissen über Zigarren aneignen, trifft auf die unterschiedlichsten Menschen und lernt zum ersten Mal in seinem Leben die Liebe kennen.
Es ist Franz‘ Geschichte, die hier erzählt wird und so erfahren wir Alles was ihm widerfährt gänzlich aus seiner Sicht, der des unerfahrenen Bauernjungen. Mit großen Augen und voller Unbedarftheit beobachtet er aufmerksam seine neue Umgebung, was in einer Sprache wiedergegeben wird, die liebevoll spöttisch („Die beiden Herren (Ehemännner von Frau Dr. Dr. Heinzl) folgten den meisten anderen Wienern auf ihren letzten Weg zum Zentralfriedhof, die Doktortitel jedoch blieben und wurden fortan von der Witwe Heinzl stolz durch die Gegend getragen‘) sowie eher schlicht daherkommt. Eben so, wie ich es mir bei einem Bauernjungen vorstellen würde. Drei Geschehnisse beginnen Franz‘ Leben zu beeinflussen: Erstens seine Freundschaft zu Freud, der regelmäßig in der Trafik verkehrt. Sie ist geprägt von Verehrung und Respekt, doch ohne Furcht vor dem berühmten Professor. Zum Zweiten die Erfahrungen der ersten Liebe, der er sich voller Naivität und Arglosigkeit hingibt. Und zuguterletzt die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen jener Zeit, als die Deutschen in Österreich einmarschierten.
Obwohl Vieles eher beiläufig daherkommt, wird das Schreckliche jener ersten Zeit der Machtübernahme überdeutlich. Die Manipulation der Presse, das Einschüchtern Andersdenkender bis hin zum Selbstmord oder deren wilkürliche Festnahme mit völligem Verschwinden, das Verschwinden der Juden, der Abtransport von Gefangenen nach Dachau undundund. Franz nimmt all dies wahr und beginnt, sich darauf seine eigenen Gedanken zu machen ebenso wie beispielsweise der Briefträger Pfründner. Wobei Beide zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen…
Ein schöne Geschichte über das Erwachsenwerden in schwierigen Zeiten – und wie man dennoch seinen Überzeugungen treu bleibt.

 

 

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