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Tagebuch einer Killerkatze von Anne Fine & Axel Scheffler

Moritz Verlag
ISBN 978-3-8956-5298-1
64 Seiten

Bei einem Buch mit diesem Titel musste ich einfach stehenbleiben, völlig egal um welche Art von Buch es sich nun handelt. Kurzes Reinlesen und es war klar: Das wird gekauft. Ich zitiere mal die ersten Sätze, die meine Entscheidung vielleicht nachvollziehbar machen:
‚Okay, okay, hängt mich ruhig auf! Ja, ich hab den Vogel getötet. Du lieber Himmel, ich bin nun mal eine Katze! Es ist sozusagen mein Job, durch den Garten zu schleichen und süßen, schnuckeligen kleinen Piepmätzen aufzulauern, die kaum von einer Hecke zur anderen fliegen können. Was soll ich machen, wenn sich mir so ein armes gefiedertes Flatterbällchen praktisch ins Maul wirft? Es ist schließlich fast direkt auf meinen Pfoten gelandet. Es hätte mir ja wehtun können! Okay, okay, da habe ich es halt ein bisschen geknufft….“ uswusw.
Dazu die herrlichen Zeichnungen von Axel Scheffler, der die Katze Kuschel überhaupt nicht kuschelig darstellt, sondern wie einen Gefängnisinsassen grau mit Streifen und einem leicht verschlagenen Blick (zumindest am Anfang). Da konnte ich nicht widerstehen – und ein weiteres Kinderbuch ziert nun mein Bücherregal 😉
Der oben zitierte Ton zieht sich durch das ganze Büchlein (knapp 55 Seiten) und mit jedem toten Getier, das Kuschel anbringt, wird sein Erklärungsbedarf größer. Ich habe mich köstlich dabei amüsiert ebenso wie über Axel Schefflers Bilder, die so überhaupt nicht lieblich-zart-kuschelig sind. Herrlich, wie Kuschel mühsam das Karnickel durch die Katzenklappe zerrt. Oder wie der Vater der Familie in einem burkaähnlichen Gewand durch die Nacht robbt… Ich bin mir sicher, dass sich auch Kinder darüber amüsieren können, wenn auch vielleicht auf eine andere Art als Erwachsene.
Die eigentliche Geschichte basiert zwar auf einem uralten Witz, aber zum einen kennen Kinder ihn vermutlich noch nicht und falls doch (wie die meisten Erwachsenen), hat man trotzdem seinen Spaß daran. Denn Anne Fine hat das Ganze so toll ausgeschmückt und der Katze einen solch klasse Tonfall gegeben, dass das Alles fast wie neu klingt. Herrlich!

 

 

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Antoinette kehrt zurück von Olivia Vieweg

Egmont EHAPA, 06.03.2014 ISBN 9783770455003 96 Seiten

Egmont EHAPA, 06.03.2014
ISBN 9783770455003
96 Seiten

Antoinette, erfolgreich in Kalifornien tätig und mit einem bekanntem Filmstar liiert, scheint eine glückliche junge Frau zu sein. Doch sie schleppt ein Geheimnis mit sich herum, das nicht einmal die ihr am nächsten stehenden Menschen kennen: ihre Kindheit und Jugend in einem kleinen deutschen Örtchen, wo sie von ihren SchulfreundInnen gemobbt wurde. Als sie eines Tages bei einem ihrer häufigen Webcam-‚Besuche‘ in ihrer Heimat sich selbst erkennt, wird ihr bewusst dass nichts vergangen und vergessen ist. So macht sie sich auf eine Reise in ihre Vergangenheit…
Junge Frau setzt sich mit ihrer Mobbing-Vergangenheit auseinander – eine klassische Geschichte, die Olivia Vieweg ganz schön gegen den Strich bürstet. Man liest, schaut und glaubt, mehr oder weniger zu wissen was nun kommt, doch dann – PENG! Von wegen! Es irritiert, schockiert und hat man die weniger als 100 Seiten durch, ist erst mal tiefes Durchatmen angesagt und eine Nacht darüber schlafen. Um es dann nochmal zu lesen… 🙂 Manche/n mag diese fehlende political correctness befremden und/oder stören, mich brachte es trotz (oder wegen?) einiger Unklarheiten jedoch dazu, das Ganze noch mehrmals zu lesen.
Die Zeichnungen im Buch sind ausschließlich in braun, orange, weiss und schwarz gehalten, sodass nichts durch leuchtende Farben besonders herausgehoben wird. Auch die Gesichter stechen nicht durch besondere Details hervor, sondern deren Darstellung beschränkt sich meist auf Augen, Nase, Mund und Haare, die eher wie skizziert wirken. Dennoch fiel es mir nicht schwer, die einzelnen Personen unterscheiden zu können. Es ist ein eher reduzierter Zeichenstil, durch den die Geschichte jedoch umso mehr wirkte und der eigenen Phantasie viel Freiraum lässt.
Das Buch hat mir gut gefallen, nur war es deutlich zu kurz. Aber wie wäre es mit einer Fortsetzung? Das Ende lässt es zu…

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Die unheimliche Bibliothek von Haruki Murakami

DuMont Buchverlag, 08.10.2013 ISBN 9783832197179 64 Seiten

DuMont Buchverlag, 08.10.2013
ISBN 9783832197179
64 Seiten

Ein Junge gibt zwei Bücher in der Bibliothek ab, die er bereits von vorhergehenden Besuchen kennt und möchte sich ein neues ausleihen. Dazu sucht er einen alten Herrn auf, der ihm zwar weiterhilft, ihn jedoch in einem Labyrinth unterhalb der Bibliothek einkerkert. Zwar sind die Überlebenschancen düster, doch die Verpflegung ist überraschend gut. Und der merkwürdige Schafsmann sowie das wunderhübsche stumme Mädchen, die sich um ihn kümmern, scheinen ihm wohlgesonnen.
Es ist mein erster Marukami, den ich hiermit gelesen habe und die Geschichte hat mir sehr gefallen. Zwar ist der Text recht schlicht gehalten, doch dies entspricht durchaus dem Stil eines ca. 12jährigen, dem ungefähren Alter des Protagonisten. Rätselhaft sind die Dinge, die sich in der Bibliothek abspielen ebenso wie die Personen, die dort auftreten und die begleitenden Illustrationen sind bestens dazu geeignet, diesen Effekt zu verstärken. Da sich nichts von allem aufklärt und alles unergründlich bleibt, empfinde ich diese Erzählung als durchaus geeignet zum wiederholten Lesen.
Der Preis mag happig erscheinen für 30 min Lesezeit. Aber die Gestaltung des Büchleins ist überdurchschnittlich: gedruckt auf hochwertigem Papier, was den Illustrationen geschuldet sein mag.
Fazit: Wer schöne Geschichten und schöne Bücher mag, liegt hier richtig.

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Wie ein leeres Blatt von Boulet und Pénélope Bagieu

Carlsen, 01.03.2013 ISBN 9783551751096 208 Seiten

Carlsen, 01.03.2013
ISBN 9783551751096
208 Seiten

Eine junge Frau sitzt in Paris auf einer Bank und überlegt, ob sie heimgehen soll. Doch – wohin? Wo wohnt sie? Vor allem: Wie heisst sie? Nichts, absolut nichts fällt ihr zu ihrer eigenen Person ein. So leert sie die Tasche, die sie bei sich hat (offenbar ihre eigene) und erfährt ihren Namen: Eloise. Dank des Ausweises macht sie sich auf den Weg zu der Adresse und ist voller Anspannung und Furcht, was sie dort erwartet. Was ist nur geschehen? Wer ist sie? Mit der Hilfe einer Kollegin, die ihr während ihrer Suche nach ihrem Ich zur Freundin wird, versucht sie Licht in das Dunkel um ihre Person zu bringen. Raucht sie, kann sie stricken, ist sie musikalisch? DAS sind ihre Freunde?
Ich kann mir kaum vorstellen, dass Eloises Nachforschungen in einem ’normalen‘ Buch genausogut hätten umgesetzt werden können. Ist sie kurz davor, den nächsten Schritt ins Unbekannte zu machen, liefert ihr ihre Phantasie die möglichen und unmöglichsten Szenarien: Aliens oder Spione? Ehemann mit Kind oder Chaos-WG? Teilweise nur ein Bild, doch man hat genau vor Augen, was in ihr vorgeht. Einfach klasse! Aber die Geschichte ist nicht nur amüsant und unterhaltsam, sondern gibt zudem einen Anstoss mal darüber nachzudenken: Wer bin ich eigentlich? Was macht mich besonders? An was wird man sich erinnern?
Normalerweise halte ich nicht viel von Klappentexten, aber in diesem Fall fand ich ihn sehr gelungen: „Diese Graphic Novel…macht Lust, einmal das eigene Leben von Aussen zu betrachten, sich überraschen zu lassen, was dabei herauskommt, und es mutig in die Hand zu nehmen.‘ Also los!
PS: Eines hätte ich doch noch zu gerne gewusst: Was hat es mit Eloises Rechenkünsten auf sich? Kommt da noch mal was?

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Die Weisheit des Orients von Danielle und Olivier Fölmi

Knesebeck, 26.09.2008 ISBN 9783896605696 752 Seiten

Knesebeck, 26.09.2008
ISBN 9783896605696
752 Seiten

Herrliche farbenprächtige Bilder (für jeden Tag eines) aus Zentralasien, dem Mittleren Orient und Nordafrika zeigen großartige Landschaftsaufnahmen, eindringliche Portraits von dort Lebenden, wunderbare Fotografien der dortigen Kultur und ausdrucksvolle Stimmungsbilder. Die Palette reicht von Fröhlichkeit über das stille Glück bis hin zu Melancholie.
Jedem Bild steht ein Zitat gegenüber, die sich gegenseitig ergänzen. Die Zitate sind in vier thematische Blöcke gegliedert: ‚Sinn Geben‘, ‚Sich Geben‘, ‚Geben und Vergeben‘ sowie ‚Friede sei mit Dir‘. ‚Autoren‘ sind u. a. Orhan Pamuk, Khalil Gibran, Die Bibel, Der Koran, Nagib Machfus, Amin Maalouf und viele mehr.
Alles in allem ein schönes Buch nicht nur um sich ein ‚Tagesmotto zu holen‘, sondern auch für ein längeres Darinherumblättern.

‚Richte dein Augenmerk auf deine Unwissenheit, und dir werden tausend Erkenntnisse zuteil.‘ Faouzi Skali

‚Gewalt resultiert aus der Meinung, dass wir den Anderen und die Welt bereits kennen.‘ Marc-Alain Ouaknin

‚Die Anziehung, die zwischen zwei Menschen besteht, beruht, ob eingestanden oder nicht, hauptsächlich darauf, sich letzlich im Anderen zu erkennen und ein Einssein zu erreichen, das für einige Zeit jeden Wesensunterschied aufhebt. Denn am Anfang der Dualität und der Vielheit steht die Einheit des Seins.‘ Ibn al-Arabi

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Über das Halten von Eichhörnchen von Axel Scheffler und Harry Rowohlt

Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH, 21.08.2009 ISBN 9783941087705 35 Seiten

Verlagshaus Jacoby & Stuart GmbH, 21.08.2009
ISBN 9783941087705
35 Seiten

Axel Scheffler und Harry Rowohlt machen gemeinsam ein Buch? Das kann nur gut sein. Aber nein, es ist sogar sehr gut!

Auf jeder der 39 kleinformatigen Seiten erhält man eine Information oder einen Ratschlag, was beim Halten eines Eichhörnchens als Haustier zu beachten ist. Was sich beim Lesen als amüsanter, nicht wirklich ernsthaft gemeinter Text darstellt, ist aber in Wirklichkeit eine durchaus ernstgemeinte Hilfestellung gewesen, die vor rund 100 Jahren in einer Kinderenzyklopädie erschien. Die witzigen wie auch wunderschönen Bilder von Axel Scheffler unterstreichen die Absurdität dieses Ratgebers.

Ein wahrlich heiteres wie auch originelles Buch für jede Altergruppe!

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