Vor der Glotze zum Weltmeister von Joachim Staat

Delius Klasing
ISBN 978-3-667-10156-3
166 Seiten

Wenn ich eines sicherlich nicht bin, dann Fussballfan – selbst eine WM sehe ich wenn überhaupt, dann nur zu kleinen Teilen und auch ein deutsches Finale ist für mich kein unabdingbares Muss. Von mir also eine Lobeshymne auf dieses Buch zu erwarten ist sicher nicht selbstverständlich.
Doch wider Erwarten habe ich mich beim Lesen wirklich gut unterhalten. Der Autor, Fussballfan seit der WM 1966, die er mit sieben Jahren miterleben durfte, beschreibt seinen eigenen Enthusiasmus zu dieser ’schönsten Nebensache der Welt‘ mit erfreulich viel Selbstironie. Hauptthemen sind die Weltmeisterschaften 1990 und 2014 – beides Jahre, in denen Deutschland Weltmeister wurde. 1990 lag er mit gebrochenem Wadenbein (natürlich vom Fussballspielen) wenig mobil in seiner Wohnung, sodass er kurzerhand sein Wohnzimmer zum WM-Studio umwandelte. Umgeben von sehr guten Freunden, alles Experten wie er selbst, war somit garantiert, dass vor, nach und selbstverständlich während den Spielen fundierte Fachgespräche zwischen ausreichend Bier, Chips und Rollmöpsen stattfinden konnten (Zitat: „…ein gesundheitsgefährdender Spielrhythmus, der bis zum Viertelfinale täglich Leber wie Lunge attackieren würde.“). 24 Jahre später, immerhin gesund, findet das Mitfiebern an verschiedenen Orten mit wechselnder Besetzung statt: daheim mit ebenfalls mitbibbernder Freundin, gemeinsam mit der 15jährigen Tochter, mit KollegInnen beim Arbeitgeber usw. Und trotz des mittlerweile gesetzteren Alters und deutlich weniger Alkohol tut es der Begeisterung des Autors keinen Abbruch. Jochen Staat hat einen locker-leichten Schreibstil, wobei er Dinge sehr offen und direkt beschreibt, was wie seine bildhaften Formulierungen zur vergnügten Lektüre beiträgt (Zitat zum Spiel Deutschland-Schweden, WM 1974: ‚Das Rheinstadion wurde umgegraben wie ein Kartoffelacker, offensichtlich auf der Suche nach den dort verbuddelten urdeutschen Tugenden.‘).
Für Fussballfans hat das Ganze sicherlich einen hohen Wiedererkennungswert, während der Rest sich immerhin gut unterhalten kann und bei Einigen vielleicht das Verständnis für die LiebhaberInnen der ’schönsten Nebensache der Welt‘ vergrößert. Bei mir zumindest ist es gelungen 😉

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