Das Fest des Windrads von Isabella Straub

Blumenbar
ISBN 978-3-351-05017-7
352 Seiten

Oed am Tiefen Grafen, irgendwo im Nirgendwo Österreichs, der Name des Ortes ist Programm. Hier kreuzen sich die Lebensläufe von Menschen, die sich normalerweise nicht begegnet wären. Greta, erfolgreiche Karrierefrau, steht auf der nächsten Stufe der Erfolgsleiter – glaubt sie. Doch statt sich bei einer internationalen Messe in San Marino ihre nächste Beförderung abzuholen, strandet sie mit dem Zug in Oed, wo sie unfreiwilligerweise einige Tage verbringen muss. Jurek hingegen, Philosoph und nun einziger Taxifahrer der Gegend, ist nach seiner Scheidung freiwillig in seine Heimat zurückgekehrt – in das halbfertige Elternhaus. Ihre Wege kreuzen sich, wie auch die vieler Anderer, die nichts miteinander gemein zu haben scheinen als die Anwesenheit am selben Ort. Doch tatsächlich verbindet sie eines: Einsamkeit.
Es ist eine ziemlich schräge Ansammlung von ZeitgenossInnen, die die Autorin Isabella Straub hier auffährt. Auf den ersten Blick eher durchschnittlich, zeigen die einzelnen Personen nach und nach einige doch recht bizarre Charaktereigenschaften. Jurek, der das Schlafzimmer seiner Eltern wie einen Tatort versiegelt hat. Joe, adipöser Pensionär, der auf die Rückkehr seiner philippinischen Ehefrau wartet und jede Menge unnützes Zeug in TV-Verkaufsshows bestellt. Greta, die verheiratete Männer bevorzugt, da die ihr treu sind. Und so weiter und so fort.
Der Roman ist weniger eine spannende Story als die detaillierte Beschreibung eines Zeitabschnitts im Leben diverser Personen. Eher düster ist die zugrunde liegende Stimmung: einsame Menschen in einer trostlosen Gegend, die nicht oder kaum fähig sind, sich daraus zu befreien. Doch der Autorin gelingt es durchweg, diese Leben mit herrlichen Wortkreationen und Sätzen zu beschreiben, dass man sich beim Lesen wundervoll amüsieren kann. Nur ein, zwei Beispiele: „S. 24: Die Diagnose (Diabetes Typ 2) ist sein Airbag, an dem die Zumutungen des Alltags abprallen.“ oder „S. 203: Ihr Lippen wurden schmäler mit den Jahren, zwei Hartgummischläuche, die den Körpereingang bewachten. Es herrschten strenge Einfuhrbestimmungen:..“
Obwohl sich das Buch leicht weglesen lässt, ist es keine Unterhaltungslektüre. Mir hat es aber auf jeden Fall Spaß und Freude bereitet.

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