Engelsgift von Susanne Ayoub

Hoffmann und Campe Verlag 2004 ISBN: 3-455-30357-9 6 CDs

Hoffmann und Campe Verlag 2004
ISBN: 3-455-30357-9
6 CDs

Was für eine Geschichte! Eine wunderschöne Frau, doch eiskalt, ohne jedes Mitgefühl für das sie umgebende Leid und voller Zorn und Wut auf ihren kleinen Sohn, der ihr nur ein Klotz ein Bein ist. Karoline Streicher ist ihr Name, geboren Anfang des letzten Jahrhunderts und als kleines Kind von ihrer Mutter weggegeben, der sie auch nur eine Last war. Ihre Kindheit war geprägt von Armut; als 14jährige wurde sie einem Pädophilen zugeführt, der sich um ihre weitere Erziehung (in jedem Sinne) kümmerte und sie, sobald es ohne großes Aufsehen möglich war, zur Frau nahm. Als ihr ‚Förderer‘ starb, war sie eine junge und reiche Witwe, die sich alsbald den Schwarm ihrer Kindheit und Jugend zum Mann nahm. Doch diese Ehe stand unter keinem guten Stern: Karolines gesamtes Vermögen ging verloren und in diese neue Armut hinein wurde der kleine Hermann geboren, von Beginn an von der Mutter nicht erwünscht. Den Vater verachtet sie alsbald und versucht mit allen Mitteln, wieder einen Platz in der Gesellschaft zu erlangen, doch ohne Erfolg. Ein zweites Kind, ebenso unerwünscht wie Hermann, stirbt bald nach der Geburt und einige Zeit darauf wird Karolines Mann schwerkrank. Nach seinem Tod sterben noch weitere Menschen in ihrem Umfeld – und immer hat sie einen Vorteil davon.
Dieses Leben (das in großen Teilen auf dem der wahren Martha Marek beruht, die für vier Morde zum Tode verurteilt wurde) wird von der jungen Journalistin Marie erforscht, die nach einem schweren Schicksalsschlag darüber ein Buch schreiben möchte. Sie spürt Hermann auf, Karolines Sohn, mittlerweile über 70 Jahre alt, und er beginnt, ihr die ganze Geschichte zu erzählen.
Was für mich dieses Buch aus dem ‚Krimiallerlei‘ heraushebt, ist der häufige Perspektivenwechsel und die damit verbundene Verkettung der Gegenwart mit der Vergangenheit. Drei ErzählerInnen gibt es, die jeder Situation wie auch Person die angemessene Stimmlage verleihen – teilweise in dem herrlichen Wiener Tonfall. Zu Beginn ist es anstrengend, wenn innerhalb kurzer Zeit erst von Maries Recherchen erzählt wird, dann Hermann über seine Mutter zu Wort kommt, aus Karolines Kindheit berichtet und danach ein Sprung in ihre Erwachsenenzeit gemacht wird. Doch bald haben die unterschiedlichen Tonlagen deutlich gemacht, zu welcher Zeit sie gehören und die Verwirrung geht vorüber. So bleibt eine richtig gute Kriminalgeschichte auf historischem Hintergrund, die kunstvoll die verschiedenen Ebenen miteinander verbindet. Ein tolles Hörbuch, das allerdings etwas Aufmerksamkeit beansprucht – doch es lohnt sich! Lediglich der etwas für mich zu ’schnelle‘ Schluss war nicht ganz mein Fall, doch das war’s dann auch schon mit der Mäkelei 😉

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