Kings of Cool von Don Winslow

Suhrkamp, 01.09.2012 ISBN 9783518464007 351 Seiten

Suhrkamp, 01.09.2012
ISBN 9783518464007
351 Seiten

Bisher hat mich das Äußere eines Buches nur selten verleitet, darüber etwas zu schreiben. Aber in diesem Fall ist die Aufmachung so ungewöhnlich, dass ich einfach einige Worte dazu verlieren muss. Eckig und völlig schwarz kommt das Buch daher, inclusive aller Seitenschnitte; Titel, Autor usw. sind hingegen in weißen, schnörkellosen Buchstaben dargestellt. Wer die Hardcoverausgabe von ‚Unendlicher Spaß‘ von David Foster Wallace kennt, hat hier nun die Negativform vor sich liegen.
Doch ein Buch nur wegen seiner äußeren Erscheinung zu kaufen, machen wohl nur Wenige 🙂 Aber der Inhalt steht der Aufmachung in nichts nach. Erzählt wird die Geschichte von drei jungen Menschen, die mehr verbindet als nur Freundschaft. Sie sind sich die Familie, die alle drei nicht oder nur wenig hatten. Chon ist der Kämpfer, Ben der Humanist und O die Schöne. Ben und Chon sind im Marihuanageschäft, mit dem sie ihren Lebensunterhalt finanzieren, ohne jedoch weitere Ansprüche zu erheben wie Machtzuwachs oder mehr Gewinn. Sie genießen ihr Leben im sonnigen Kalifornien und so könnte es für sie weitergehen bis ans Ende ihrer Tage. Es ist eine Idylle, die jedoch nicht von Dauer ist. Denn es gibt Andere, die wollen ihren Anteil an dem gutgehenden Geschäft der Beiden. Ein Krieg bricht aus und alle Drei erkennen, dass nicht nur sie, sondern auch ihre Eltern darin verstrickt sind.
Wer wie mit wem zusammenhängt, wird in einem zweiten Erzählstrang ganz von hinten aufgerollt. Hippiezeit, peace, love – man experimentiert mit Drogen und noch basiert alles auf Vertrauen und Freundschaft. Doch die Zeiten ändern sich, es geht ums Geld, um Macht und alle versuchen, so viel wie möglich vom Kuchen abzuhaben. Auch wenn von vornherein klar ist, dass die Wurzeln der drei Freunde hier ihren Ursprung haben, bleiben die Details vorborgen (zumindest für mich). Die Auflösung kommt recht überraschend, aber wirklich unerwartet und hart ist die Nüchternheit und fast schon Kälte, mit der dies berichtet wird. Cool, einfach cool.
Winslow hat einen ungewöhnlichen Stil (zumindest in diesem Buch, ich kenne seine anderen nicht). Es wirkt, als ob die handelnden Personen einem direkt die Geschichte selbst erzählen: immer wieder kurze, auch unvollständige Sätze, die zu Beginn eher holpernd anmuten. Doch schon nach kurzer Zeit zieht einen diese Schreibweise in ihren Bann und man steckt mittendrin in dem Geschehen. Auch der atypische Satzspiegel trägt vermutlich dazu bei, dass man das Gefühl bekommt, das Tempo wird immer schneller. Es sind kurze, zum Teil sehr kurze Kapitel, die insbesondere gegen Ende immer wieder aus einer anderen Sicht berichtet werden. Dieser schnelle Perspektivenwechsel steigert die Geschwindigkeit noch zusätzlich und man rennt dem Showdown buchstäblich entgegen.
Richtig klasse gemacht und ich bin mir sicher: Dies war nicht mein letzer Winslow, den ich gelesen habe!

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