Clockers von Richard Price

S. Fischer Verlag, 03.03.11 ISBN 9783100608284 800 Seiten

S. Fischer Verlag, 03.03.11
ISBN 9783100608284
800 Seiten

Obwohl dieser 800-Seiten-Wälzer ausschließlich im Drogenmilieu spielt, ist es kein Krimi oder Thriller im klassischen Sinn. Die beiden Hauptfiguren sind Rocco, Detective, und Strike, ein ‚leitender‘ Clocker, einer der schwarzer Dealer die rund um die Uhr ihren Stoff verkaufen. Als sich in Strikes Umfeld ein Mord ereignet, gerät er in Roccos Visier.
Um einen solchen Plot herum einen 800-Seiten-Roman aufzubauen, würde sicherlich etwas langatmig ausfallen. Doch der Schwerpunkt dieser Geschichte liegt bei der Darstellung der beiden Protagonisten.
Strike, gerade 19 Jahre alt, ist nicht glücklich mit dem was er tut. Immer wieder macht er sich vor, dass er sofort aufhören würde, hätte er genügend Geld beisammen. Doch wann ist genug? Es ist die Furcht vor dem was danach kommt, die Unsicherheit wie er nach dem Drogenjob sein Geld verdienen soll, die ihn daran hindert eine entgültige Entscheidung zu treffen. Und die Angst vor seinem Boss Rodney, der offenbar völlig skrupellos ist.
Rocco, Anfang/Mitte 40, seit 20 Jahren im Dienst, plant ebenfalls auszusteigen, jedoch aus völlig anderen Gründen. Verheiratet mit einer vermögenden Frau und seit kurzem Vater, will er diesen ‚Drecksjob‘ an den Nagel hängen. Doch immer wieder wird ihm klar, dass dieser Job sein Leben ist: das Aufklären von Morden, das Kämpfen für eine bessere Gesellschaft, die gemeinsamen Zeiten mit seinen Kollegen. Und als ein offensichtlich Unschuldiger des Mordes verdächtigt wird, setzt er alles daran, den wahren Täter herauszufinden.
Auch die weiteren Personen in diesem Roman sind überzeugend dargestellt: Strikes Bruder, der unter allen Umständen versucht, in dieser kriminellen Umgebung anständig zu bleiben und beinahe daran zugrunde geht; ihre Mutter, die mit ihren Möglichkeiten versucht, ihre Jungen zu anständigen Bürgern zu erziehen; die Kollegen Roccos, die an (fast) nichts mehr Gutes glauben. Nichtzuletzt ist es der rauhen, teils eher schlichten Sprache zu verdanken, die dem Ganzen einen unglaublich realistischen Klang gibt. Price gelingt es zum einen, das Bild eines Teils der Gesellschaft zu vermitteln, in der es einem dort Hineingeboren fast unmöglich gemacht wird, zu einem anständigen Bürger zu werden. Und zum andern den alltäglichen Kampf der Polizei gegen diese Kriminalität darzustellen, wie auch deren immer wiederkehrendes Scheitern.
Obwohl dieses Buch bereits 20 Jahre alt ist, ist ihm dies zu keiner Zeit anzumerken. Eine noch immer aktuelle und überaus spannende sowie vermutlich realistische Abbildung eines Teils unserer Gesellschaft, den die meisten von uns glücklicherweise wohl nicht kennen.

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