Banditenliebe von Massimo Carlotto

Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta, 18.07.2011 ISBN 9783608502091 190 Seiten

Tropen-Verlag Label von Klett-Cotta, 18.07.2011
ISBN 9783608502091
190 Seiten

Marco, Max und Beniamino sind das, was man Ehrenleute nennen würde, würden sie nicht einem kriminellen Gewerbe nachgehen. Marco ist auf das Finden von allem und jedem spezialisiert, Max der kluge Kopf für jeden auch noch so verrückten Plan und Beniamino schmuggelt alles was kommt. Im Gegensatz zu den ersten Beiden schreckt er auch nicht vor Gewalt zurück. Doch allen dreien ist gemeinsam, dass sie nichts mit Drogen zu tun haben wollen. Bei dieser Meinung bleiben sie auch, als ein obskurer Unbekannter sie mit allen Mitteln dazu bringen will, für ihn herausfinden, wer zum einen für den Riesencoup in Padua verantwortlich ist: Ein knapper Zentner Heroin, Kokain und anderes wurde aus dem rechtsmedizinischen Institut gestohlen. Und wo zum andern das Rauschgift geblieben ist, denn alle Ermittlungen verliefen im Sande. Da trotz ihrer Weigerung der Fremde nicht lockerlässt, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als ihn ins Jenseits zu befördern. Die Sache scheint völlig vergessen, als zweieinhalb Jahre später Beniaminos Freundin Sylvie entführt wird: Es ist zweifellos klar, dass es sich um einen Racheakt für den ermordeten Unbekannten handelt. Sie machen sich auf die Suche nach Sylvie und landen in einem Netz der Korruption und Intrigen der serbischen und bosnischen Mafia wie auch der Polizei.
Was Massimo Carlotto hier in gerade mal 180 Seiten abhandelt, wäre bei anderen Autoren noch nicht mal in der doppelten Seitenzahl möglich gewesen. Entsprechend dicht gepackt ist die Handlung, so dass wer Landschafts- oder ausführliche Gemütsbeschreibungen sucht, hier nicht fündig werden wird. Dennoch fühlt man sich mit den drei Hauptpersonen bald vertraut, die Anderen gegenüber auf ihre Art ehrlicher und respektvoller sind als so manches geachtete Mitglied der Gesellschaft. Carlotto lässt Marco die Geschichte erzählen in einer rauhen, ehrlichen Sprache, aber nicht ohne Selbstironie, und so nimmt man ihm und seinen Freunden auch ihre zeitweilige Robin-Hood-Einstellung ab (Spenden an Prostituiertenvereine, Unterstützung Illegaler…) und findet alle nur noch sympathischer 🙂 Auch an deutlicher Gesellschaftskritik wird nicht gespart, doch sie ist nie überzogen oder penetrant.
Ein Krimi (?) der alles zu bieten hat: Spannung, Gefühl, Brutalität, Empfindsamkeit, Gnadenlosigkeit und Mitgefühl. Und das alles auf 180 Seiten. Nur ein Manko: 180 Seiten – viel zu wenig. Aber die Weichen für eine Fortsetzung sind schon gestellt…

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